Als Kleinunternehmer in die Selbstständigkeit starten!?

Kleinunternehmer
Selbstständig als Kleinunternehmer | Foto: (c) Alyibel/pixabay.com

Jeder, der sich selbstständig macht, steht früher oder später vor der Frage, ob er dies als Kleinunternehmer tun will oder nicht. Tatsächlich kann man nämlich selbst entscheiden, ob man die damit verbunden Regelungen in Anspruch nehmen will. Was es damit auf sich hat und welche Missverständnisse sich um das Kleinunternehmertum ranken, beleuchten wir im Folgenden.

Wann ist man Kleinunternehmer?

Wenn es um den Begriff des Kleinunternehmers geht, dreht sich alles um die Umsatzsteuer. Dementsprechend lässt sich auch die gesetzliche Regelung im Umsatzsteuergesetz (UStG) unter Paragraph 19 „Besteuerung der Kleinunternehmer“ finden. Darin heißt es, dass der Umsatz inklusive der Umsatzsteuer des vorigen Geschäftsjahres 17.500 Euro nicht überschreiten darf. Für das aktuelle Geschäftjahr dürfen nicht mehr als ein Umsatz in Höhe von 50.000 Euro erwirtschaftet werden.

Ist jeder Gründer automatisch ein Kleinunternehmer?

Jeder Unternehmer kann selbst entscheiden, ob er diese Regelung in Anspruch nehmen will. Um die Kleinunternehmerreglung nutzen zu können, ist es erforderlich, dies dem Finanzamt mitzuteilen. Die Entscheidung gilt dann für fünf Kalenderjahre. Für Nicht-Freiberufler gilt zudem, dass sie sich beim Gewerbeamt anmelden müssen. Ist dies geschehen, kommt im nächsten Schritt das Finanzamt mit einem umfangreichen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung auf einen zu. Da dieser nicht gerade selbtserklärend ist, ist es empfehlenswert, ihn gemeinsam mit dem Steuerberater auszufüllen.

Welche Vorteile bietet die Kleinunternehmerregelung?

Der Selbstständige wird von der Umsatzsteuer befreit und muss dementsprechend auch keine Umsatzsteuer sowie die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer in der Rechnung ausweisen. Die Kunden des Unternehmers können – vorausgesetzt sie sind Privatkunden – von den günstigeren Preisen profitieren, die dem Unternehmer einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Hinzu kommt, dass man sich den monatlichen Aufwand der Umsatzsteuervoranmeldung für das Finanzamt und damit die Buchführung zu Beginn der Selbständigkeit spart.

Welche Nachteile hat die Kleinunternehmerregelung?

Überschreitet der Jahresumsatz die Schwelle von 17.500 Euro muss rückwirkend viel Arbeit geleistet werden: Dann gilt es, die Umsatzsteuer zu zahlen, die dann nachträglich von den Kunden – die alles andere als erfreut darüber sein dürften – eingeholt werden müssen. Gelingt dies nicht, bedeutet das für den Kleinunternehmer, dass er selbst die Umsatzsteuer aus eigener Tasche nachzahlen muss.

So gut wie keine Gründung kommt ohne Anschaffungen aus. Diese werden in aller Regel bevorzugt in der ersten Zeit besorgt. Kauft man jetzt zum Beispiel neue Computer, erhält man als Nicht-Kleinunternehmer die Umsatzsteuer vom Finanzamt zurück. Dies geschieht im Falle des Kleinunternehmers jedoch nicht, was Anschaffungen für ihn in Relation teurer macht und die das ohnehin meist knappe Gründer-Budget zusätzlich belasten.

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Für wen ist die Kleinunternehmerregelung interessant?

Beabsichtigt man als Existenzgründer bereits in naher Zukunft seinen Lebensunterhalt über die Realisierung der Geschäftsidee finanzieren zu können und auf diese Weise Umsätze zu erwirtschaften, die das eigene Überleben sichern, ist die Kleinunternehmerregelung sicherlich nicht empfehlenswert. In diesem Fall werden die 17.500 Euro wahrscheinlich schnell überschritten. Möchte man allerdings „soft“ in die Selbstständigkeit starten und die Gründung erst einmal neben der Festanstellung erproben, kann sie durchaus lohnenswert sein und in diesem Rahmen unnötigen Aufwand sparen.

Ist für Kleinunternehmer eine bestimmte Rechtsform verpflichtend?

Nein, dahingehend gibt es keine Vorgaben. Dem Unternehmer ist es freigestellt, die für ihn geeignetste Rechtsform zu wählen. Sie entscheidet über die weitere Buchführung: Während Freiberufler, Einzelunternehmer oder eine GbR eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) erstellen müssen, gilt für die OHG, die Kapitalgesellschaft oder den Kaufmann die doppelte Buchführung.

Ist das Kleingewerbe ein Synonym für Kleinunternehmer?

Hierbei handelt es sich um einen weit verbreiteten Irrtum. Auch wenn die beiden Begriffe sehr ähnlich klingen, so beschreiben sie doch völlig unterschiedliche Dinge. Während es bei dem Kleinunternehmer allein um die Umsatzsteuer geht, basiert der Begriff des Kleingewerbes auf Regelungen des Handelsgesetzbuches. Hierbei spielen Umsatzhöhen keine Rolle, es geht um diejenigen Gewerbebetriebe, die nicht im Handelsregister eingetragen werden müssen. Freiberufliche, die nicht als Gewerbetreibende eingestuft werden, haben mit dem Kleingewerbe also nichts zu tun, können aber – je nach Umsatz – den Kleinunternehmerstatus für sich nutzen.

Gibt es für Kleinunternehmer bestimmte Versicherungen, die sie abschließen müssen?

Nein, die gibt es nicht. Unabhängig vom Umsatz einer Unternehmung wird von dem gleichen Risiko ausgegangen. Das bedeutet also, dass es dem Kleinunternehmer wie auch allen anderen Entrepreneuren freigestellt ist, wie sie ihr Business absichern.

Wie ist der genaue Ablauf, wenn man die für Kleinunternehmer relevanten Umsatzschwellen überschreitet?

Stellt sich im Jahresverlauf heraus, dass der Umsatz 20.000 Euro überschreitet, verliert man rückwirkend den Kleinunternehmerstatus. Man wird dadurch automatisch umsatzsteuerpflichtig und dies gilt nicht nur ab dem Zeitpunkt, an dem man festgestellt hat, dass der Umsatz höher sein wird, sondern auch für die Zeit davor. Nun hat man genau zwei Möglichkeiten: 1.) Man nimmt Kontakt zu den bisherigen Kunden auf und bittet sie rückwirkend die Umsatzsteuer zu zahlen. 2.) Man zahlt die fällig gewordene Umsatzsteuer aus der eigenen Tasche. Bei einem Jahresumsatz von etwas über 20.000 Euro dürfte dies das eigene Budget allerdings empfindlich belasten.

Beide Szenarien stellen eine Herausforderung für den Kleinunternehmer dar und sind alles andere als angenehm. Wer so etwas vermeiden will, sollte rechtzeitig mit einem Unternehmensberater sprechen und klären, ob die Kleinunternehmerregelung das Richtige ist. Experten auf diesem Fachgebiet lassen sich über UnternehmensberaterScout finden.

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